Oliver Wullschleger


"Zürich West besitzt das Potenzial zu einer sehr, sehr guten Ausgangsmeile."


Was macht die Faszination Wein aus?
Mich persönlich begeistert die vielfältige Aromatik und das Wechselspiel zwischen Essen und Wein. Jeder gute Wein verkörpert jene Region, aus der er stammt und die gesamte Arbeit, die dahinter steckt und was man alles aus einer Traube rausholen kann. Wein ist die sinnlichste Art des Alkoholkonsums. Mit einer Flasche Rotwein kann man einen Abend lang philosophieren und dabei sämtliche Probleme auf der ganzen Welt lösen. Nicht nachhaltig, aber ansatzweise (lacht). Ein faszinierendes Getränk, alles nur aus Trauben. 

Welches ist Ihr bester Wein?
Einen besten Wein gibt es für mich nicht.

Ihr persönlicher Lieblingswein?
Gibts auch nicht. Denn Wein ist Emotion und ich habe nicht jeden Tag auf den selben Wein Lust. Manchmal habe ich Lust auf einen Piemontesen, manchmal auf etwas einfaches aus Südfrankreich. Je nach dem, wie ich gelaunt bin und was es zu essen gibt. Ich habe aber Lieblingsregionen.

Was für welche?
Piemont, Rhonetal, Burgund und teils Gegenden von Spanien.

Schmecken Sie, woher der Wein kommt, wenn Sie ihn zum ersten Mal trinken?
Das kann man nicht mit jedem Wein machen, man benötigt dafür etwas bessere Weine, denn Basisweine, die „easy-to-trink“ sind, ähneln sich sehr stark. Bei Top-Produzenten, die ihren Wein danach formen, wie das Jahr, der Boden und die Umgebung war, schmeckt man auch die Region raus. 

Was zeichnet das Maison du Vin aus? Was unterscheidet dieses von anderen Weinhandlungen?
Wir sind enorm vielfältig und sehr breit aufgestellt. Wir haben von guten Tischweinen, die in einem sehr vernünftigen Preisrahmen liegen, bis hin zu Topbrands, alles was das Herz begehrt. Zudem beinhaltet unser Sortiment eine sehr grosse Auswahl an Spirituosen. Und wir machen die schönsten Geschenke, dies gibt (lacht)! Wir verpacken einzigartig. 

Sie haben das Projekt Subitovino auf die Beine gestellt, ein Wein-Lieferservice. Wie ist dieses angelaufen?
Subitovino ist sehr gut angelaufen, insbesondere für Private im Quartier, die beispielsweise mit den Einkäufen zu uns kommen und sechs Flaschen kaufen möchten, diese aber nicht mehr tragen können. Denn wir liefern dem Kunden die Ware gratis nachhause. Das wird genutzt, denn wer bei uns bestellt, erhält die Getränke bis 20.00 Uhr geliefert. Subitovino bedeutet auch, wir liefern sämtliche Bestellungen mit dem Fahrrad aus. Dabei arbeiten wir mit der Firma mikrokurier an der Hardturmstrasse zusammen. Da das ganze Projekt so gut ankommt, erweitern wir nun unser Angebot auf die Gastronomie. Wenn einem Wirt der Wein ausgeht, kann er schnell bei uns nachbestellen, damit der Gast nicht verdurstet. 

Sie organisieren regelmässig Events in Ihrem Lokal. Vom Theater bis zum Tango ist dabei alles zu finden. Ist diese Varianz eine Frage der Philosophie oder des Marketings?
Es ist meine Philosophie, die ich ins Marketing einfliessen lasse. Mir macht jeder einzelne Event Spass. Denn all diese 0815-Degustationen haben wir doch alle schon unzählige Male gesehen, deshalb finden wir, dass man den Wein etwas unkomplizierter an die Menschen herantragen sollte. Beispielsweise kombiniert mit Essen oder einem Workshop. Das ist Socialising, dabei besteht auch keine Kaufverpflichtung, man soll auch einfach mal geniessen können. 

Was steht als nächstes auf dem Programm? 
Im Herbst planen wir einen Event mit einem tollen Musiker, der am Vorabend im Moods zu sehen ist, dann im Brisket und im Anschluss bei uns ein Showcase spielen soll. Unsere Philosophie ist, dass wir hier im Quartier zusammenarbeiten, denn der Kreis 5 ist schon etwas verzettelt. Wenn man gemeinsame Ideen verfolgt, lernt man sich kennen, arbeitet zusammen und so entsteht auch emotional eine Verknüpfung. Das ist ja, wofür die Kulturmeile sich einsetzt. 

War der Standort Zürich West Zufall oder bewusste Wahl?
Das war eigentlich ein Zufall. Ursprünglich war die Firma im Niederdorf, beim Kunsthaus. Danach sind wir ins Löwenbräu-Areal umgezogen und nun sind wir seit etwa acht Jahren hier in Zürich West, weil das Lokal frei wurde. Zum Glück! 

Wie hat sich Zürich West in den letzten Jahren verändert?
Zürich West hat sich beruhigt.

Inwiefern?
Was das Nachtleben anbelangt, scheint es mir nicht mehr ganz so wie früher, als noch mehr Clubs hier waren. Mir scheint, dass neben den ganzen Firmen und Privathaushalten, die noch kommen werden, Zürich West das Potential zu einer sehr, sehr guten Ausgangsmeile besitzt. Denn wir haben tolle Restaurants, coole Hotels und diesen Industrie-Shabby-Chic-Charme gepaart mit dem Modernen. Es bewegt sich viel, die Frage, die aber noch etwas offen ist: Wie bringen wir all das, was jetzt gewachsen ist, zusammen? Gastronomie ist ein bedeutender Teil und trägt immer etwas dazu bei, denn nur selten trifft man so viele Leute auf einem Platz an. Und wenn man dazu gewisse Orte wie den Turbinenplatz und das PULS 5 mehr beleben würde, könnte man gemeinsam mit den Anwohnern noch einiges mehr bewegen. Der Beweis dafür hat das Renaissence Hotel mit seinem Frühlingsfest geliefert. Das war eine total friedliche Stimmung und viele Gäste waren da: Solche Ziele sollten wir in Zürich West verfolgen. Ob im grossen oder kleinen Rahmen, die Zusammenarbeit von allen, die hier sind, ist entscheidend. Und die Kulturmeile ist dafür wie geschaffen, denn es ist kein Quartier- oder Gewerbeverein, sondern es steckt ein anderes Denken dahinter. Das ist essentiell für unser Quartier.

Was passiert in fünf oder 10 Jahren mit Zürich?
Ich denke, dass sich Zürich West mit der zusätzlichen Erdgeschossnutzung zu einem sehr urbanen Teil von Zürich entwickeln wird. Das bedeutet für mich, dass Leute, die hier wohnen, vermehrt auch hier einkaufen werden, dass es Leute aus der Innenstadt und immer mehr Touristen nach Zürich West zieht, weil es schön ist und vor allem weil hier etwas passiert, weil es lebt und sich viel bewegt. Ausserdem ist das Quartier kulinarisch spannend, man kann sich hier gut unterhalten und man hat genug Luft, um zu leben. Es ist nicht so eng wie in der Innenstadt und es besitzt einen urbanen Charakter – das wird es ausmachen. 

Welches ist Ihr ganz persönlicher Lieblingsort hier?
(Denkt lange nach.) Das Moods. (lacht). 

Warum? 
Das Moods befindet sich musikalisch auf einem absoluten Weltklasseniveau. Du bist nah an der Musik dran und ich fühle mich einfach immer wohl da. 

Vielen Dank für das Interview!
Danke auch!

 

oliver