Die Eigentümerin SPS (Swiss Prime Site) hat das Neubauprojekt auf dem Areal ersatzlos gestrichen und will die Hallen stattdessen umfassend sanieren, sodass dort ab etwa 2030 ein neues Kulturzentrum entstehen kann.
«Die Maag-Hallen sind nicht nur ein eindrucksvolles Zeugnis der Schweizer Industriegeschichte», schreibt die IG Zürich-Hardbrücke, «dass sie nun erhalten bleibt und saniert wird, ist eine gute Nachricht für das Quartier.» Der neue Plan entspreche dem, was Zürich-West aktuell brauche: «Orte mit Charakter und Geschichte, die das Quartier beleben.» – Der Mietvertrag der aktuellen Nutzerin, der Maag Music & Arts AG, wurde bis Mai 2029 verlängert, danach läuft dieser aber endgültig aus. Als Nachfolge-Mieterin sei das Naturhistorische Museum der Universität Zürich im Gespräch.
Die Kulturmeile Zürich-West freut sich sehr über diese Entwicklung und sieht sich in ihrem jahrelangen Bemühen um ein lebendiges, buntes und lebenswertes Quartier bestätigt. Es dürften nicht zuletzt die über Zehntausend Unterschriften zur Initiative „Retten wir die Maag-Hallen“ gewesen sein, welche die Eigentümerin des Areals nach sechs Jahren des Stillstandes zum Umdenken gebracht haben.
Gute Nachrichten aus den Zürcher Amtsstuben! Das Zürcher Baurekursgericht schätzt die vom Abriss bedrohten Maag-Hallen als schützenswert ein. Die beiden Gutachten der Hamasil Stiftung sowie des Zürcher Heimatschutzes haben überzeugt. Das Gericht bewertet die Maag-Hallen als denkmalschutzwürdig.
(Bild: pd)
Prime Tower
Der grün schimmernde Prime Tower ist nun auch schon mehr als zehn Jahre alt - Ende 2011 wurde der damals mit 126 Metern und 36 Stockwerken höchste Turm der Schweiz eröffnet. Entworfen hat ihn das Zürcher Architekturbüro Gigon/Guyer. 2015 wurde der Prime Tower als höchstes Bauwerk vom Basler Messeturm übertroffen. Das Gebäude gehört der Swiss Prime Site SPS, die demnächst auch die dahinter liegenden Maag-Hallen abreissen und durch einen Neubau ersetzen will. Dagegen wurden im Quartier 10‘000 Unterschriften gesammelt.
Im gleichen Jahr wie der Prime Tower wurde in Zürich-West der Mobimo-Tower komplettiert - auch 2011. Das 24-geschossige und 81 Meter hohe Hochhaus an der Turbinenstrasse 20 umfasst das 5-Sterne Renaissance Hotel mit 300 Zimmern (davon 48 Suiten), Restaurantbetrieb und Lobby, Meetingräume sowie einen Fitnessbereich. Das Hotel erstreckt sich vom Erdgeschoss bis ins 14. Obergeschoss. Darüber befinden sich exklusive Eigentums- und Mietwohnungen, in der bis zu seiner Verhaftung im Frühling dieses Jahres auch einer der berüchtigsten belgischen Drogenbarone weitgehend unbehelligt wohnte ...
Während der Prime Tower ein reiner Büroturm ist, ist das 2014 eröffnete Hochhaus Zoelly ein reines Wohnhaus. Es hat 26 Etagen und ist 77 Meter hoch. Benannt ist es nach dem Dampfturbinen-Pionier Heinrich Zoelly, der zur Blüte der Zürcher Maschinenfabrik Escher, Wyss & Cie. beitrug, die dort einmal stand, wo jetzt das Hochhaus steht. Das Zölly ist eine Art Edel-Plattenbau, denn es wurde aus 950 vorgefertigten Betonelementen gebaut, die das Haus tragen.
Bevor der über hundert Meter höhere Prime Tower entstand, war der aus Schiffscontainern aus dem Hamburger Hafen improvisierte Freitag-Turm mit 26 Metern Höhe das schillerndste Hochhaus von Zürich-West. Der Bau, entworfen vom Büro Spillmann Echsle Architekten und 2006 erbaut, besteht aus 19 aufeinander gestapelten Frachtcontainern, die mit dem Zug nach Zürich transportiert wurden. Darin werden die Taschen der Gebrüder Freitag verkauft, die auf dem benachbarten Maag-Areal in den neunziger Jahren ihre Firma gründeten.
Eines der neueren Hochhäuser von Zürich West ist der Turm des Atmos Business Parks an der Hardturmstrasse, einem Komplex der PSP Swiss Property, die hier 130 Millionen Franken verbaut und als Ankermieterin für die grössten Flächen die Schweizer Laufschuh- und Sportswear-Marke ON Running gewonnen hat. Der Grundstein für den Bau wurde im Oktober 2018 gelegt, jetzt ist der Komplex in Betrieb. Der Turm zählt 17 Stockwerke und ist 68 Meter hoch. Entworfen wurde der Atmos-Komplex vom Zürcher Architekturbüro EM2N.
Das Sheraton-Hochhaus heisst eigentlich Hard-Turm, ist 80 Meter hoch und hat 24 Etagen. Es steht dort wo früher die Trainingsplätze des Fussballclubs Grasshoppers waren. Das Haus ist seit 2014 in Betrieb, in den Etagen 1 bis 10 ist das Sheraton-Hotel, darüber befinden sich exklusive Eigentumswohnungen. Geplant wurde es von Gmür Gschwentner Architekten, als Generalunternehmen wirkte die Firma Halter, deren Chef hier zuoberst auch eine edle Stadtwohnung für sich geschnappt hat.
2014 wurden die sogenannten Escher-Terrassen an der Hardturmstrasse bezogen. Es hat auf 18 Stockwerken exklusive Mietwohnungen, der 60 Meter hohe Bau gehört der Allreal. Besonders ist, dass der Neubau auf einem wichtigen Industriezeugen aufgestockt wurde, dem sogenannten Escher-Wyss-Gussmodellmagazin, das 1900 erbaut wurde und heute die Probebühne des Opernhauses beherbergt. Die Architektur ist von E2A. Die schräge Form der Südfassade erschliesst sich einem erst aus der Vogelperspektive: Das Dachgeschoss setzt die Linie der alten Bausubstanz fort, nämlich 25 Meter Breite.
Der stillgelegte Sichtbacksteinkamin der Escher-Wyss-Maschinenfabrik, die hier einst das Areal prägte, steht als letzter Zeuge dieser industriellen Vergangenheit hier. Das 46 Meter hohe Bauwerk aus dem Jahre 1892 ist denkmalgeschätzt, die heutige Grundeigentümerin wollte den Schlot darum beleuchten, aber das lehnte die Stadt ab, Stichwort Lichtverschmutzung. Vielleicht muss ein Objekt, das jahrelang die Luft verschmutzt hat, jetzt halt büssen. Der Kamin gehörte zur Kesselschmiede, die brauchten auch Wasser mit Druck, das von da oben kam - das Reservoir fasst 50’000 Liter. Der Hochkamin ist leider nicht zugänglich.
Auch das Löwenbräu Black Hochhaus mit seinem charakteristisch überhängenden Kinn wurde 2014 fertiggestellt. Es ist 70 Meter hoch und voller exklusiver Miet- und Eigentumswohnungen, die aber keinerlei Balkon oder Terrasse haben - muss man mögen.
Das Swissmill-Silo ist ein Ding, an dem sich die Geister scheiden. Der 118 Meter hohe Betonturm fasst 50’000 Tonnen Getreide, das mit Zügen durchs ganze Quartier hierher gefahren und als Mehl verpackt wieder wegtransportiert wird. Das Trumm am Sihlquai gehört der Coop, die sehr stolz darauf ist, dass sie von der obersten Etage aus auf den grossen Konkurrenten Migros am Limmatplatz herabschauen kann, deren Turm nur 74 Meter hoch ist.
Auf dem Areal Depot Hard soll bis 2025/26 mit der Sanierung und Erweiterung des drittgrössten Tramdepots der VBZ ein zeitgemässer Betrieb sichergestellt und durch eine zusätzliche kommunale Wohnsiedlung die vorhandene Ausnutzungsreserve ausgeschöpft werden. Zusätzlich entsteht eine neue städtische Wohnsiedlung mit 23 Stockwerken und insgesamt 193 Wohneinheiten, die Wohnraum für rund 550 Menschen bietet. Das aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangene Projekt stammt vom Team um Morger Partner Architekten aus Basel. Das Projekt kostet die Stadt gut 200 Millionen Franken.
Auf dem Areal der einstigen EM Elektromaterial an der Ecke Viadukt/Heinrichstrasse ensteht in einigen Jahren, so alles gut geht, ein weiterer markanter Wohnturm für Zürich-West. Die Immobilienfirma Tellco hat das Areal gekauft und Anfang 2022 einen ersten Gestaltungsplan vorgestellt. Erlaubt ist an dieser Stelle ein Hochhaus von maximal 70 Metern Höhe, und das will die Tellco darum auch bauen.
Fünf Wendeltreppen machen die obere Ebene der Harbrücke für Fussgänger erreichbar – die architektonische Qualität dieser Zugänge sowie deren feine Ausführung sind ein Highlight
Darüber, dass die Hardbrücke ein Monstrum ist, herrscht weitgehend Einigkeit – eine solche Stadtautobahn auf Stelzen, die ein Quartier durchschneidet, ist eine Bausünde, wie man sie heute nicht mehr zulassen würde.
Der deutsche Architektur-Podcast «Stadtrederei» hat sich des Themas der Transformation im Bestand anhand des Beispiels Zürich-West angenommen. Die Plauderstunde bietet Erhellendes zu Geschichte und Zukunft des Industriequartiers
Die Entwicklung von Stadt und Raum gewinnt an Dynamik – diesen widmet sich der Podcast «Stadtrederei. Reflexionen zu Stadt und Raum», in dem Expert*innen am Beispiel aktueller städtebaulicher Herausforderungen, über die Abkehr von bestehenden planerischen Denkmodellen und über mutige Entwürfe und unorthodoxe Ideen zur Gestaltung städtischer Zukünfte debattieren. Zu Wort kommen Stadtplaner*innen und Architekt*innen sowie unterschiedliche weitere Gäste, die sich bezüglich Stadtentwicklung profiliert haben. Der Podcast ist ein Kooperationsprojekt des Münchner Instituts für Städtebau und Wohnungswesen (ISW) mit Dr. Christine Grüger (Suedlicht, Freiburg) und Dr. Fee N. Thissen (Urbane Transformation, Oberhausen).
Industriequartier der Zukunft? Ideen von Hochparterre. (Bild: Hochparterre)
In der Folge 17 des Podcasts, erstmals ausgestrahlt im Oktober 22, ging es um das Thema «Grips statt Gips – über die Transformation im Bestand», und dies am Beispiel von Zürich West. Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich ein ehemaliges Industriegebiet in einen neuen Stadtteil von Zürich verwandelt. Die Transformation der innerstädtisch gelegenen Industrieareale mit überwiegend fragmentierten Eigentümerstrukturen wurde durch eine kooperative Planung zwischen vielen Akteuren möglich, so der Podcast. Als Gäste der beiden Moderatorinnen (Dr. Christine Grüger / Dr. Fee Thissen) sind Prof. Dr. Alain Thierstein, Professor für Raumentwicklung an der TU München und Christoph Gysi, Präsident Kulturmeile Zürich-West zugeschaltet.
Nicht ohne kritische Noten reflektieren die Gesprächsgäste was in Zürich-West in den letzten 25 Jahren passiert ist – gutes wie schlechtes. So lobt Christoph Gysi etwa den Zuzug der Hochschule der Künste, kritisiert aber, dass diese am falschen Ort stehe. Natürlich wendet sich Gysi als Mit-Initiant von «Retten wir die Maag-Hallen» auch gegen die Pläne der SPS, die bald letzten industriellen Zeitzeugen zu tilgen.
Das Baurekursgericht heisst die Beschwerden gegen die Pläne der SPS gut und hebt damit die Baubewilligung vorläufig auf. Ist damit die Zukunft der historischen Maag-Hallen gerettet?
Gute Nachrichten aus den Zürcher Amtsstuben! Das Zürcher Baurekursgericht schätzt die vom Abriss bedrohten Maag-Hallen als schützenswert ein. Die beiden Gutachten der Hamasil Stiftung sowie des Zürcher Heimatschutzes haben überzeugt. Das Gericht bewertet die Maag-Hallen als denkmalschutzwürdig.
Zürich-West hat Street-Art-Fans einiges zu bieten. Von grossformatigen Murals über zeitgeistige Graffiti bis zu kleinen 3D-Interventionen finden sich im einstigen Industriequartier viele Facetten der Outdoor-Kunst.
Text: Jeroen van Rooijen
Ausgerechnet vom international bekanntesten Schweizer Street Art Artisten gibt es in Zürich-West nichts zu finden – Harald Nägeli sprayte Ende der 1970er-Jahre lieber in der Altstadt und im Universitätsquartier als im rauen Westen, wo der Kontrast vielleicht nicht so stark gewesen wäre. Vielleicht hätte es dort auch keinen interessiert, weil Graffiti in Zürich-West, anders als in den schicken Wohngegenden am Hügel, schon lange zum Stadtbild gehören.
Mehr als anderthalb Jahre lang war das Viadukt im Zürcher Kreis 5 aufgrund von Bauarbeiten eingerüstet. Anstelle einer herkömmlichen Bauverhüllung setzten Studierende der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ein kreatives Zeichen: Sie gestalteten die Abdeckungen für das massive Baugerüst und verwandelten die Viaduktbögen in eine temporäre Freiluftgalerie.
Tagsüber statt tiefnachts tanzen – ein Phänomen, dass seit einiger zeit immer mehr Menschen begeistert. Am Samstag, 7. Juni wird auch in Frau Gerolds Garten zum Day Dance gebeten.
Es heisst ja gerne, dass die jungen Leute von heute anders ticken, andere Prioritäten hätten, anders leben und ausgehen. Das ist wohl so, denn neuerdings wird nicht mehr nur nachts und bis in die frühen Morgenstunden gefeiert, sondern auch nachmittags getanzt.
Eine Arbeitsgruppe präsentiert ein Projekt und ein Hochparterre-Themenheft zur Umgestaltung der Pfingstweidstrasse. Aus dem ehemaligen Autobahnzubringer soll ein 800 Meter langer grüner Hain werden.
Die Interessengemeinschaft Zentrum-Hardbrücke (IGZH) macht Dampf und treibt die Zürcher Stadtplanung vor sich her – mit guten Ideen, öffentlichkeitswirksamen Aktionen und einer gut gefüllten Kampagnenkasse.
Schritt für Schritt zieht sich das verarbeitende Gewerbe aus dem einstigen Industriequartier zurück. Neuestes Kapitel: Die Walter Looser AG, ein führender Anbieter von Bronzewerkstoffen, gibt seinen Standort am Viadukt auf und zieht nach Regensdorf.
Die grossen Mulden vor dem Haus an der Ecke Viadukt-/Josefstrasse kündigen es seit Wochen an: Hier wird ein Haus entrümpelt. Denn der Mietvertrag mit der Stadt läuft aus – alle Mieter des unansehnlichen Blocks ziehen aus, auch die Walter Looser AG, einer der führenden Schweizer Spezialisten für Bronze-Werkstoffe und Gleitlager.
Die schattenspendenden Platanen in der Nachbarschaft der Hardbrücke tragen neuerdings Temperatur-Sensoren
Der kleine Platanenweg Zürich-West findet bereits im 3. Jahr statt. Es handelt sich dabei um drei Grüppchen teils sehr alter Bäume, die in der unwirtlichen Umgebung der Hardbrücke für Schatten und ein bisschen Grün sorgen. Neu kann man die vielgepriesene Klimawirkung der grossen Bäume live überprüfen.
Seit einem Jahr wird im Viadukt gebaut – die SBB sanieren Mauerwerk, Geleise, Geleisebett und Fahrleitungen. Nun neigt sich die Baustelle ihrem Ende zu – bereits ab Mitte September werden die nicht mehr benötigten fünf Drehkräne abgebaut.
Seit einem Jahr steht im Viadukt, einer der beliebtesten Flanier- und Einkaufsmeilen der Stadt, ein riesengrosses Gerüst, dazu fünf massive Drehkräne auf Betonfundamenten. Seit Dezember wird praktisch permanent gebaut, gebohrt und gehämmert, denn innerhalb der einjährigen Fahrplanperiode fahren keine Züge zwischen Wipkingen und HB, das Viadukt ist für den Schienenverkehr stillgelegt.
Nun neigt sich die für Anwohner und Gewerbetreibende mühsame Grossbaustelle langsam ihrem Ende zu – bereits ab Mitte September werden die nicht mehr benötigten Kräne demontiert.
Für eine Rückblende auf 20 Jahre seiner Karriere kehrte der Schweizer Musiker in die Maag-Halle zurück
In einem langen Interview blickt der Schweizer Volks-Star Baschi zurück auf zwanzig Jahre seiner Karriere – die notabene in Zürich-West in der Maag-Halle begann. Hier überzeugte der damals 17-jährige Jüngling der Casting-Show «Music Star».
Und wieder verschwindet ein Stück Vorstadt und Industrie aus dem Quartier: Das beliebte Auto-Waschcenter an der Hardbrücke zieht in die Agglo, weil es in Zürich-West nach dreissig Betriebsjahren keine Möglichkeiten zur Weiterentwicklung mehr sieht
Die Geschäftsleitung von Best Carwash teilt ihren Kunden in einem Rundschreiben «schweren Herzens» mit, dass die Filiale Hardbrücke nach über dreissig Betriebsjahren per Ende September vorzeitig geschlossen werde.
Der «Tages-Anzeiger» hat ein Reporter-Team losgeschickt, um 24 Stunden lang im Kreis 5 und Zürich-West zu verbringen. Eine kurze Zusammenfassung.
Der «Tages-Anzeiger», von Locals auch einfach nur «Tagi» genannt, ist Zürichs Zeitung des Volkes ... nicht so bourgeois und bürgerlich wie die «NZZ», nicht so bretthart alternativ wie die «WOZ», nicht so schäbig und boulevardesk wie «20minuten« oder «Blick». Mitten im Leben, ein bisschen links, bei den Leuten – das ist der Tagi. Nun hat die Zeitung ein Reporter-Team losgeschickt, um 24 Stunden im Kreis 5 zu verbringen. Die Reportage zeigt den Charakter, die Stärken und auch die Schwächen des Quartiers.